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Schulterverletzungen allgemein
Schulterverletzungen allgemein

Die Schulter ist eine verletzungsempfindliche Stelle im menschlichen Körper. Dabei muss ich schon kurz erklären, dass für viele Beschwerden bei Sportlern die wahre Ursache nicht im Sport selbst, sondern im täglichen Arbeitsprozess zu finden ist. Die aktive Sportausübung, die oft die persönlichen, körperlichen Grenzen überschreiten kann, gibt dann auf einmal Grund zum Klagen. Eine gute Anamnese und Funktionsprüfung können vieles erklären, aber dennoch werden auch die Symptome behandelt werden müssen. Hier einige Fälle aus der Praxis, die hoffentlich ein wenig Klarheit schaffen.

Größtes Risiko für Schulterverletzungen
Das Kanufahren gehört zu den schwersten Wettkampfsportarten und erfordert viel Kraft, Kraftausdauer und Dauerkondition. Aber auch als erholsame Bewegungsart bewährt sich dieser Sport ausgezeichnet. Auch für diejenigen, die gern einen Ausdauersport treiben wollen, aber nicht gern dauerlaufen oder radfahren, ist das Kanufahren eine hervorragende Alternative. Das Verletzungsrisiko ist in jeder Hinsicht akzeptabel, wenn auch Verletzungen an den Handgelenken und den Schultern vorkommen.

Jacke anziehen
Herr W. von V., 45 Jahre alt, ist dafür ein Beispiel. Er bekam vor zwei Monaten Schmerzen in seiner rechten Schulter, die allmählich zunahmen. Die Schulter macht ständig Ärger und allerlei normale Bewegungen, wie das Haarkämmen und das Anziehen einer Jacke, verursachen Schmerzen. Während der letzten Wochen treten auch nachts Schmerzen auf. Bei der Untersuchung fällt auf, dass besonders das Heben des Armes Beschwerden verursacht. Die Schulter ist das beweglichste von allen Gelenken. Das ist in der Bauweise dieses Gelenks, mit der verhältnismäßig kleinen, flachen Gelenkpfanne und dem großen, runden Gelenkkopf, festgelegt. Die Knochen tragen also wenig zur Stabilität bei, dafür sind die „weichen Teile“, wie Kapsel, Bänder und besonders die Muskeln, welche die Gelenkkapsel bedecken, verantwortlich.

Überbelastung
Diese können bei Sportausübung schwer belastet und durch eine unvorsichtige Trainingsdosierung sogar überbelastet werden. Es gibt überdies einen zweiten Umstand, der die Schulter verletzbar macht, nämlich eine Art „zweite Gelenkhöhle“, gebildet vom Raum zwischen der Spitze des Schulterblatts, dem Acromion, und dem Kopf des Oberarms. Das Acromion bildet zusammen mit einigen Bändern gleichsam ein Dach auf dem Gelenk. In diesem engen Raum befinden sich ein Schleimbeutel und einige Sehnen, die eingeklemmt werden können, wie es bei einem Sport wie Kanufahren geschehen kann. Herr von V. hatte, wie sich bei Befragen herausstellte, sein Training zu schnell aufgebaut. Der Schleimbeutel entzündete sich, in den Sehnen entstanden kleine Risse und Blutungen. Die beschädigten Gewebe schwellen an und werden in diesem Fall in dem engen Raum eingeklemmt. Zu schnell und zu viel Wollen ist folgenschwer!

Gelenkkräfte
Die Heilung erfordert ziemlich viel Zeit. Wesentlich ist, dass die Schulter zwar weniger belastet werden aber dennoch so viel wie möglich in Bewegung bleiben muss. Wenn sich ein Gelenk zu wenig bewegt, nimmt die Qualität der Gelenkflüssigkeit ab und der Gelenkknorpel wird schlechter ernährt. Medikamente und Physiotherapie können helfen, aber im Zusammenhang mit einer gegebenenfalls vorliegenden Entzündung wird der Physiotherapeut zurückhaltend vorgehen müssen. In den allerschlimmsten Fällen gibt es chirurgische Möglichkeiten.

Schulter verletzbar bei Verwendung eines großen Balls
Obgleich Wasserball ein Kontaktsport ist, ist die Zahl der Verletzungen geringer als man erwartet. Dies hat zum größten Teil seine Ursache darin, dass sich Tritte im Wasser normalerweise weniger stark auswirken. Die meisten Verletzungen entstehen dann auch oberhalb der Wasseroberfläche. Besonders Schulterverletzungen muss Beachtung geschenkt werden. Die Schulter hat von allen Gelenken die größten Bewegungsmöglichkeiten, ist dadurch aber auch sehr verletzbar. Der große, runde Gelenkkopf des Oberarms findet wenig Halt in der flachen Gelenkpfanne. Die weite Gelenkkapsel wird kaum durch Bänder (Ligamente) verstärkt. Die Stabilität muss hergestellt werden durch eine Kappe von kleinen, kurzen Muskeln um das Gelenk (die Schultermanschette). Diese Muskeln müssen während der Bewegungen des Armes den Kopf in der Pfanne halten.

Schmerzen
Johan R., 23 Jahre alt, hat sich während eines Wasserballwettkampfs eine Schulterverletzung zugezogen. In dem Augenblick, da er seinen Oberarm nach hinten gebracht hatte und für einen kräftigen Wurf ausholen wollte, wurde der Arm durch einen Gegner blockiert und nach hinten gezogen. Johan spürte einen plötzlichen Schmerz und hatte das Gefühl, dass der Arm kurz in der Schulter „Klick“ machte und wieder zurückschoss. Es entstand ein schweres, lahmes Gefühl. Er spielte noch einen Augenblick weiter, aber musste dann den Wettkampf beenden. Nach zehn Tagen Ruhe schien es besser zu gehen, aber als er das Training wieder aufnahm, hatte er noch immer ein unsicheres und schwaches Gefühl und erwies sich die Schulter noch als schmerzhaft.

Aus der Pfanne
Beim Nach-hinten-Ziehen des Armes, wie das bei Johan geschah, schießt der Kopf des Oberarms mehr oder weniger aus der Pfanne, wodurch die Kapsel an der Vorderseite beschädigt wird. Bei der Untersuchung zeigte sich tatsächlich, dass die Schulter an der Vorderseite bei Druck schmerzte, und als wir den Arm nach hinten brachten und ein wenig nach außen drehten, wurde der Schmerz ausgelöst und bekam Johan wieder das unsichere Gefühl in der Schulter. Er hatte übrigens selbst schon bemerkt, dass er seine Beschwerden dadurch hervorrufen konnte, dass er die Hand in den Nacken legte. Es war deutlich, dass Johan sich einen Schaden an der Gelenkkapsel zugezogen hatte. Diese Verletzung kommt regelmäßig bei allen Kontaktsportarten vor (wie Handball, Rugby, American Football), bei denen ein verhältnismäßig großer Ball geworfen wird. Zuweilen ist die Kapsel nur überdehnt, aber sie kann in Johans Fall teilweise eingerissen sein, wobei der Arm kurz aus der Pfanne kommt und danach wieder zurückspringt. Im schlimmsten Fall springt der Kopf ganz aus der Pfanne (Luxation), sodass dieser mit ärztlicher Hilfe wieder an seinen Platz gebracht werden muss. Oft ist eine erheblich gestörte Stabilität die Folge, mit der ständigen Drohung, dass die Verletzung sich wiederholt.

Ruhe und Eis
Die Behandlung in der akuten Phase besteht in Kühlen (Eis) und Ruhe, um dem beschädigten Gewebe Gelegenheit zur Heilung zu geben. Danach muss aber, abhängig von der Schwere der Verletzung, möglichst schnell mit unbelasteten, beweglich machenden Übungen begonnen werden, denn nichts ist schlechter für eine Schulter als gänzlich stillgelegt zu werden. Johan erhielt daraufhin muskelkräftigende Übungen für die Schultermanschette, um dem Gelenk mehr Stabilität zu verleihen. Erst danach folgte ein sportspezifisches Training mit einem allmählichen Aufbau von Ballwurfübungen. Alles in allem ist der Weg zur Genesung lang, aber notwendig. Eine instabile Schulter macht das Sporttreiben unmöglich und kann sogar den Sportler zwingen, sich einen anderen Sport zu suchen.

Dies ist eine Bearbeitung eines Artikels aus „Sportmassage“ April 1992